Poetisches zum Thema Schwalben

Zitat von Aristoteles
(384 v.Chr. - 322 v.Chr)

"Denn eine Schwalbe macht noch keinen Frühling und auch nicht ein Tag."
Nikomachische Ethik, I 6. 1098a 18
Wird meist als "Denn eine Schwalbe macht noch keinen Sommer" wiedergegeben”

Quelle: http://www.gavagai.de/

März

Johann Wolfgang von Goethe

Es ist ein Schnee gefallen, denn es ist noch nicht Zeit,
dass von den Blümlein allen, dass von den Blümlein allen,
wir werden hocherfreut.

Der Sonnenblick betrüget mit mildem falschem Schein,
die Schwalbe selber lüget, die Schwalbe selber lüget,
Warum? Sie kommt allein!

Sollt´ ich mich einzeln freuen, wenn auch der Frühling nah?
Doch kommen wir zu zweien, doch kommen wir zu zweien,
Gleich ist der Sommer da.

Der Schwalben Wanderlied

Melodie: Volksweise
Hoffmann von Fallersleben
 

Fort, fort, fort und fort - an einen andern Ort!
Nun ist vorbei die Sommerzeit,
Drum sind wir Schwalben jetzt bereit
Von einem Land zum andern - zu wandern.

Ihr, ihr, ihr und ihr, Ihr Leute lebet wohl!
Ihr gabt zur Herberg euer Dach
Und schützet uns vor Ungemach.
Drum sei euch Glück und Frieden - beschieden.

Ihr, ihr, ihr und ihr, Ihr Mücklein lebet wohl!
Ihr habt uns oft recht satt gemacht
Und uns mit manchem Schmaus bedacht.
Lebt wohl! Auf Wiedersehen! Wir gehen.

Die Schwalbe

Elisabeth Kulmann
(1808 - 1825)
 
Weshalben ist, o Vogel,
So traurig dein Gesang?
Weshalben fliegst so ängstlich
Du hier den Weg entlang? -
 
Ich flog für meine Jungen
Nach Nahrung etwas weit,
Da stahl man Nest und Jungen
Mir in der Zwischenzeit.
 
Deshalben ist, o Mädchen,
So traurig mein Gesang!
Deshalben flieg' so ängstlich
Ich hier den Weg entlang!

Heißer Mai

Heinz Erhardt
(1909 - 1979)

Es ist sehr heiß.
Leise rieselt der Schweiß.

Sogar die Lerche,
sonst kaum zu zügeln,
flattert ganz langsam:
sie schwitzt untern Flügeln.

Und auch die Schwalbe
fliegt nur die halbe
Geschwindigkeit in der Stunde.

In aller Munde
ist dieses Lied:

Leise rieselt der Schweiß —
und das vor Ende des Mais
!

Petöfi dem Sonnengott

Bettina von Arnim
(1785 - 1859)
 
Wie Vögel, die kaum befiedert im Frühlicht flattern,
Nächtlich aufrauschen im Nest, - schlummertrunken, -
Wähnend im Schlaf sich zu heben gen Abend oder gen Morgen:
So aus Träumen auffahrend, ungewohnt schwebender Fühlung,
Nicht ihr vertrauend - sinket betäubt ihr zurück,
Schüchterne Vögel, Gedanken -
Nacht ists! - Beteuert der Mond euch und glitzernde Sterne,
Die Flügel verschränkt, duckt ihr zusammen im Nest;
Da schwellen Träume euch den Busen.
Aus der umfangenden Eos Saffrangebinde
Windeln sich los - so träumt ihr - die Morgenwinde und tragen
Goldbewimpelt glorreich durchs leuchtende Blau
Euer Gefieder Helikons Gipfel hinan
Zur schwankenden Flut, die sein Bild malt dem Narziß,
Und er liebt sich in ihr - nur des Liebenden Spiegel ist Liebe -
Wie ihm - schönheitslusttrunken euerm Abglanz zu lauschen
Auf sonniger Welle - sendet lieblich der heitere Gott,
Euch umleuchtend, euer Antlitz zurück euch -
Träumende Vögel, Gedanken!
Und hymnenbeschwingt, durchrudert ihr rhythmusströmenden Lüfte,
Dem tönenden Schwan nach, der frei von der Sorge Befleckung
Siegender Feuer kraftvoll - das trübe Leben, das sterblich nur ist
Über die alles schauende Zeit,
Zum hochwolkigen Zeus
Mit unsterblichem Liede hinauftönt,
Oder in wolkensammelnder Gewitter Sturmbett,
Über Donnergeprassel und wirbelnder Purpurglut
Getragen euch bringt mit sausendem Fittig.
Euch durchschauern nicht am nachtgedeckten Himmel
Die hintreibenden Winde. Denn warm eingehüllt ganz
In deiner Strahlen goldnem Schnee
Wenden das Antlitz sie dir zu, Apollon,
Der herablächelnd wieder sie anglühest, Phöbus Apollon!
Und tönest - so wähnen sie träumend und lauschen -
Zärtlichen Wiegengesang ihnen zu.
Willst du die alles schauende Zeit nicht hinein haben, so laß sie hinaus.
Und während Dunkel auf irrenden Pfaden
Der Menschen Geschicke umkreist,
Preisen den ahnungsvollen Tag sie
In sonnedurchschimmerter Nacht, dir geheiligt, o Taggott.
O wieder zu früh macht Geräusch ihr Phäanszwitschern! -
Horche, Lichtspender! Eh' noch dein siegendes Lied
Mächtig dem Widerhall ruft, dem Jo, im Traum ihr gesungen,
Süßer Zärtlichkeit voll, schlummerempfangen von dir.
 
Doch jetzt weckt Mondlicht sie,
Das jenseit der Haine scheidend herabsinkt;
Silbern leuchtet der Fluß durch Morgennebel,
Die halb du zerteilest, Himmelwandelnder!
Wie flockigte Herden hinab zur Flut sie treibend.
Schon streift die frühe Schwalbe
Mit schneidendem Flug die kreiselnden Wasser, -
Durchkreuzt lustatmend deine Bahn.
In heiterer Bläue fängt ihr nächtlich Gefieder
Deiner Pfeile blitzenden Glanz auf,
Und am weiten Himmelsbogen erspäht sie
Allein nur deines Tempels Zinne, schützender Gott,
Ihr Nest zu bauen.
 
So, Leuchtender! der die Himmelsfesten durchmißt,
Ermesse an deines Tempels Gebälk
Mir den Raum - klein, wie ein Vöglein bedarf -
Wo ich schlafe, in Träumen dir nach mich schwingend,
Wo dein frühester Strahl mich weckt
Und wie die Schwalbe die Flügel ich netze im Quell
Zwischen Reigen goldumschleierter Musen
Silbern - dem Rossehuf entsprudelnd - hinab vom Gipfel,
Der von allen stolzen Gebirgen zuerst am Morgen
Den purpurhüllenden Mantel abwirft vom Nacken,
Deinem feuerküssenden Strahl.
Dann wie die Schwalbe durchkreuz ich deine Bahn
Mit morgenfrischem Hauch, fort bis zum Abend
In deinem Licht, milder Gott, mich freuend,
Und beseligt, daß dein ich gehöre,
Berg ich, beim Sternenlicht im Nest mich am Tempel,
Wo du, Wissender! der Menschen sterbliche Sinne
Unsterblich erleuchtest.
Da schlaf süß ich - in Träumen schüchtern deiner Saiten Spiel rührend,
Und mich freuet ihr Klang, wie denn selber du anschlägst das Erz.
Gewaltiger! - geheimnisvoll emporblühende Göttersprache strömend.
Dann in geträumten Zwielicht blitzet vergoldet der Hain
Des heiligen Lorber, und am wankenden Zweig
Bersten schwellende Knospen dem kommenden Tag.

Das Kind

Mereau, Sophie
(1770 - 1806)

Duftende Blüthen aus freundlicher Höh'
säuseln hernieder wie glänzender Schnee;
sieh, wie die Schwalbe mit silberner Brust
fliegt an dem Teiche voll spielender Lust!

Schon sind am Wege die Büsche belaubt,
Vögelchen singen, es summt mir ums Haupt
freundlich der Käfer, und dort durch das Grün
rauschte die bunte Libelle dahin.

Welche Gerüche! woher? O, gewiss
find' ich Violen; sie duften so süß!
Sieh, wie sie blühen! Geschwind, o! geschwind
Kränze, bekränze das fröhliche Kind!

Frau Schwalbe

Georg Christian Dieffenbach


Frau Schwalbe ist 'ne Schwätzerin,
Sie schwatzt den ganzen Tag,
Sie plaudert mit der Nachbarin,
So viel sie plaudern mag.
Das zwitschert, - das zwatschert
Den lieben langen Tag!

Sie schwatzt von ihren Eiern viel,
Von ihren Kindern klein,
Und wenn sie Niemand hören will,
Schwatzt sie für sich allein,
Das zwitschert, - das zwatschert
Und kann nicht stille sein!

Hält sie im Herbst Gesellschaft gar
Auf jedem Dache dort, -
So schwatzen die Frau Schwalben all
Erst recht in einem fort;
Das zwitschert, - das zwatschert
Und man versteht kein Wort!

John Maynard

Theodor Fontane

John Maynard!
"Wer ist John Maynard?"
"John Maynard war unser Steuermann,
Aus hielt er, bis er das Ufer gewann,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron',
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Die "Schwalbe" fliegt über den Erie-See,
Gischt schäumt um den Bug wie Flocken von Schnee;
Von Detroit fliegt sie nach Buffalo -
Die Herzen aber sind frei und froh,
Und die Passagiere mit Kindern und Fraun
Im Dämmerlicht schon das Ufer schaun,
Und plaudernd an John Maynard heran
Tritt alles: "Wie weit noch, Steuermann?"
Der schaut nach vorn und schaut in die Rund:
"Noch dreißig Minuten ... Halbe Stund."

Alle Herzen sind froh, alle Herzen sind frei -
Da klingt's aus dem Schiffsraum her wie Schrei,
"Feuer!" war es, was da klang,
Ein Qualm aus Kajüt und Luke drang,
Ein Qualm, dann Flammen lichterloh,
Und noch zwanzig Minuten bis Buffalo.

Und die Passagiere, bunt gemengt,
Am Bugspriet stehn sie zusammengedrängt,
Am Bugspriet vorn ist noch Luft und Licht,
Am Steuer aber lagert sich’s dicht,
Und ein Jammern wird laut: "Wo sind wir? wo?"
Und noch fünfzehn Minuten bis Buffalo. -

Der Zugwind wächst, doch die Qualmwolke steht,
Der Kapitän nach dem Steuer späht,
Er sieht nicht mehr seinen Steuermann,
Aber durchs Sprachrohr fragt er an:
"Noch da, John Maynard?"
"Ja,Herr. Ich bin."


"Auf den Strand! In die Brandung!"
"Ich halte drauf hin."
Und das Schiffsvolk jubelt: "Halt aus! Hallo!"
Und noch zehn Minuten bis Buffalo. - -

"Noch da, John Maynard?" Und Antwort schallt's
Mit ersterbender Stimme: "Ja, Herr, ich halt's!"
Und in die Brandung, was Klippe, was Stein,
Jagt er die "Schwalbe" mitten hinein.
Soll Rettung kommen, so kommt sie nur so.
Rettung: der Strand von Buffalo!

Das Schiff geborsten. Das Feuer verschwelt.
Gerettet alle. Nur einer fehlt!

Alle Glocken gehn; ihre Töne schwell'n
Himmelan aus Kirchen und Kapell'n,
Ein Klingen und Läuten, sonst schweigt die Stadt,
Ein Dienst nur, den sie heute hat:
Zehntausend folgen oder mehr,
Und kein Aug' im Zuge, das tränenleer.

Sie lassen den Sarg in Blumen hinab,
Mit Blumen schließen sie das Grab,
Und mit goldner Schrift in den Marmorstein
Schreibt die Stadt ihren Dankspruch ein:
"Hier ruht John Maynard! In Qualm und Brand
Hielt er das Steuer fest in der Hand,
Er hat uns gerettet, er trägt die Kron,
Er starb für uns, unsre Liebe sein Lohn.
John Maynard."

Das Wunderblümchen

Theodor Körner
(1791 - 1813)

Ein Blümchen blüht an stillen Quellen
Und atmet süßen Lebensduft.
Es badet sich in klaren Quellen,
Und munter mit des Frühlings Schwellen
Regt sich die Knospe in der Luft.
Schon grünt die Flur mir süßem Prangen,
Und Freude färbt die zarten Wangen.

Es strahlt der Lenz auf tausend Zweigen;
Froh hat sich die Natur verjüngt.
Die Jugend schlingt den muntern Reigen.
Horch! wie dort durch des Haines Schweigen
Das süße Lied der Vögel klingt!
Doch schöner als der Klang im Liede
Färbt sich am Quell die zarte Blüte.

Und Sommer wird's im jungen Leben,
Und kürzer weilt die kühle Nacht,
Und feuriger wird jedes Streben;
Es keimt die Kraft in zarten Reben;
Es strahlt das Feld in goldner Pracht:
Die Knospe will die Hülle spalten,
Zur Blume herrlich sich entfalten.

Und höher steigt der Lauf der Sonnen;
Es glüht im dichtbelaubten Tal.
Des Nebels Dünste sind zerronnen;
Vertrocknend stirbt der klare Bronnen;
Der Quell versiegt im Sonnenstrahl.
Doch frischer noch in Jugendfülle
Entfaltet sich des Blümchens Hülle.

Des Spätjahrs Kühle kommt gezogen;
Reif glänzt der Traube Gold hervor.
Die Sonne sinkt am Himmelsbogen;
Es quillt, im Innern auferzogen,
Aus Blütentod die Frucht empor.
Doch ewig schön, im zarten Kleide,
Malt sich des Blümchens süße Freude.

Da zieht die Schwalbe durch die Felder;
Die Biene zehrt vom Frühlingsraub.
Es pfeift die Windsbraut durch die Wälder;
Die Purpurrebe färbt die Kelter,
Und raschelnd fällt das dürre Laub.
Doch frei vom ernsten Weltgesetze
Enthüllt das Blümchen seine Schätze.

Da stürzt sich mit der eh'rnen Kette
Hoch vom Gebirg' der Winter los.
Er macht die Welt zur Grabesstätte,
Und mit des Eises Silberglätte
Umfesselt er der Erde Schoß
Und mordet auf den kahlen Fluren
Des zarten Lebens letzte Spuren.

Doch wie vom Götterblut empfangen,
Regt sich des Blümchens süße Pracht:
Es strahlt empor mit Glutverlangen
Und schmückt die Welt mit Frühlingsprangen
Und lichtet die gewalt'ge Nacht,
Aufglühend in des Himmels Freie:
Das Blümchen "ew'ge Liebestreue".

Dorfstille

Alberta von Puttkamer
(1849 - 1923)

Holunderduft liegt auf der Dorfesgasse -
die Hüttenfenster gleißen sonnenbunt.
Die Büsche schatten breit - es fliegen blasse
und volle Blüten schwebend hin im Rund.

Die Kirche ragt im goldengrünen Dämmern
der Linden, die sie überdrängen breit.
Nur aus verlorner Ferne dringt ein Hämern,
als sei's der Herzschlag dieser Einsamkeit ...

Sonst alles klangtot! und die Mittagstille
liegt wie mit erz'nen Flügeln überm Land -
ich glaube fast, man hört es, wenn die Hüle
der Blätterknospen sprengt ihr bräunlich Band ...

Ich glaube fast, man hört es, wenn im Neste
die Schwalbe sich im Mittagsschlafe regt,
und wenn ein Bienlein durch die Lindenäste
die Würze tropfend aus den Blüten trägt ...

Fronleichnamsprozession

Georg Heym,
(1887 - 1912)

O weites Land des Sommers und der Winde,
Der reinen Wolken, die dem Wind sich bieten.
Wo goldener Weizen reift und die Gebinde
Des gelben Roggens trocknen in den Mieten.

Die Erde dämmert von den Düften allen,
Von grünen Winden und des Mohnes Farben,
Des schwere Köpfe auf den Stielen fallen
Und weithin brennen aus den hohen Garben.

Des Feldwegs Brücke steigt im halben Bogen,
Wo helle Wellen weiße Kiesel feuchten.
Die Wassergräser werden fortgezogen,
Die in der Sonne aus dem Bache leuchten.

Die Brücke schwankt herauf die erste Fahne.
Sie flammt von Gold und Rot. Die Seidenquasten
Zu beiden Seiten halten Kastellane
Im alten Chorrock, dem von Staub verblaßten.

Man hört Gesang. Die jungen Priester kommen.
Barhäuptig gehen sie vor den Prälaten.
Zu Flöten schallt der Meßgesang. Die frommen
Und alten Lieder wandern durch die Saaten.

In weißen Kleidchen kommen Kinder singend.
Sie tragen kleine Kränze in den Haaren.
Und Knaben, runde Weihrauchkessel schwingend,
Im Spitzenrock und roten Festtalaren.

Die Kirchenbilder kommen auf Altären.
Mariens Wunden brennen hell im Licht.
Und Christus naht, von Blumen bunt, die wehren
Die Sonne von dem gelben Holzgesicht.

Im Baldachine glänzt des Bischofs Krone.
Er schreitet singend mit dem heiligen Schrein.
Der hohe Stimmenschall der Diakone
Fliegt weit hinaus durch Land und Felderreih'n.

Der Truhen Glanz weht um die alte Tracht.
Die Kessel dampfen, drin die Kräuter kohlen.
Sie ziehen durch der weiten Felder Pracht,
Und matter glänzen die vergilbten Stolen.

Der Zug wird kleiner. Der Gesang verhallt.
Sie ziehn dahin, dem grünen Wald entgegen.
Er tut sich auf. Der Glanz verzieht im Wald,
Wo goldne Stille träumt auf dunklen Wegen.

Der Mittag kommt. Es schläft das weite Land,
Die tiefen Wege, wo die Schwalbe schweift,
Und eine Mühle steht am Himmelsrand,
Die ewig nach den weißen Wolken greift.

Quelle: Josef Dirschl, www.feiertagsseiten.de

Das öde Haus

Annette von Droste-Hülshoff
(1797 - 1848)
 
Tiefab im Tobel liegt ein Haus,
Zerfallen nach des Försters Tode,
Dort ruh ich manche Stunde aus,
Vergraben unter Rank' und Lode;
's ist eine Wildnis, wo der Tag
Nur halb die schweren Wimpern lichtet;
Der Felsen tiefe Kluft verdichtet
Ergrauter Äste Schattenhag.
 
Ich horche träumend, wie im Spalt
Die schwarzen Fliegen taumelnd summen,
Wie Seufzer streifen durch den Wald,
Am Strauche irre Käfer brummen;
Wenn sich die Abendröte drängt
An sickernden Geschiefers Lauge,
Dann ist's, als ob ein trübes Auge,
Ein rotgeweintes, drüber hängt.
 
Das Dach, von Moose überschwellt,
Läßt wirre Schober niederragen,
Und eine Spinne hat ihr Zelt
Im Fensterloche aufgeschlagen;
Da hängt, ein Blatt von zartem Flor,
Der schillernden Libelle Flügel,
Und ihres Panzers goldner Spiegel
Ragt kopflos am Gesims hervor.
 
Wo an zerrißner Laube Joch
Die langen magern Schossen streichen,
An wildverwachsner Hecke noch
Im Moose Nelkensprossen schleichen,
Dort hat vom tröpfelnden Gestein
Das dunkle Naß sich durchgesogen,
Kreucht um den Buchs in trägen Bogen,
Und sinkt am Fenchelstrauche ein.
 
Zuweilen hat ein Schmetterling
Sich gaukelnd in der Schlucht gefangen,
Und bleibt sekundenlang am Ring
Der kränkelnden Narzisse hangen;
Streicht eine Taube durch den Hain,
So schweigt am Tobelrand ihr Girren,
Man höret nur die Flügel schwirren
Und sieht den Schatten am Gestein.
 
Und auf dem Herde, wo der Schnee
Seit Jahren durch den Schlot geflogen,
Liegt Aschenmoder feucht und zäh,
Von Pilzes Glocken überzogen;
Noch hängt am Mauerpflock ein Rest
Verwirrten Wergs, das Seil zu spinnen,
Wie halbvermorschtes Haar, und drinnen
Der Schwalbe überjährig Nest.
 
Und von des Balkens Haken nickt
Ein Schellenband an Schnall' und Riemen,
Mit grober Wolle ist gestickt
»Diana« auf dem Lederstriemen;
Ein Pfeifchen auch vergaß man hier,
Als man den Tannensarg geschlossen;
Den Mann begrub man, tot geschossen
Hat man das alte treue Tier.
 
Sitz' ich so einsam am Gesträuch
Und hör' die Maus im Laube schrillen,
Das Eichhorn blafft von Zweig zu Zweig,
Am Sumpfe läuten Unk' und Grillen -
Wie Schauer überläuft's mich dann,
Als hör' ich klingeln noch die Schellen,
Im Walde die Diana bellen
.

Quelle: http://www.planet-interkom.de/wolf.busch/oedehaus.htm

Wieder in der Heimat

von Lehrerin Josefine Heinemann

Wie wohl war die Heimat mir doch bekannt
Ich wusst um Kämpe, Gräben, Ackerland
In Wald und Berg und Busch war ich zu Haus
Und kannte in Vogelstimmen mich aus
Grüsste den Star und die Schwalbe am Dach
Sah im Herbst dem Zug der Kraniche nach
Ich lugte zum Fuchsloch, sah Has´ und Reh
Sog von Blumen den Duft, von Korn und Klee
Ich kannte die Schluchten, den Quellenlauf
Und passte an der Nethe den Fischen auf
Ich schaute die Kreuze auf Berg und Feld
Erbe der Ahnen für unsere Welt
Liess die Glocken klingen zum Festesklang
Das Herz ausjubeln im frohen Gesang
Hab aus Turmlochs Höh auf das Dorf geschaut
Alle die Häuser waren mir vertraut
Alle Strassen und Winkel waren mein
Hoch auf dem Pferd glaubt ich König zu sein

Doch suchte ich fern ein grösseres Glück....

Und kehre ich heut in das Dorf zurück
Dann weiss ich, was ich damals nicht erkannt
Dass du mir, Heimat, bist das schönste Land.

Quelle:http://www.erkeln.de/heimatstube/gedichte.htm

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